Ausgerechnet Unterföhring – Nürnberg verliert Spitzenspiel

Die 46er verlieren gegen den Verfolger RC Unterföhring im Thriller denkbar knapp mit 9:10

(Tabellenführer + letzter Verfolger) + (herrliches Wetter x klasse Fans) + (nahendes Saisonende – Unsportlichkeit) = Spitzenrugby in Nürnberg. Man konnte sich ausrechnen dass in diesem Spiel einiges geboten sein würde und keine der beiden Mannschaften mehr Geschenke verteilen wollte als freundliche Worte. Die Gleichung ging auf, wenn auch am Ende mit einem anderen Ergebnis als in Franken erhofft. Denn im Gegensatz zur Mathematik kommt es im wahren Leben immer anders als man denkt. Wer jetzt mit dem Autor dieser Zeilen darüber grübelt, warum man dann zu Schulzeiten auch in Mathe nur 5er hatte, wird sich bei den Auswirkungen des Spieles 1846 gegen RCU auf die Meisterschaftsfrage sicherlich eher auf das Bauchgefühl verlassen müssen, als auf die nackten Zahlen. Die 170 Zuschauer auf dem Waldsportplatz fühlten sich dennoch prächtig unterhalten.

Voller Einsatz für die Meisterschaft – am Ende verrechnet?

Unterföhring rackert, Nürnberg ackert, keiner erntet wirklich

Gleich von Beginn an wurde den Kiebitzen klar, das heute wird kein Punktefestival wie die letzten Spiele auf dem Waldsportplatz. Tackling folgte auf Tackling, Ruck auf Ruck und leider auch Fehler auf Fehler. Zwar nutzte Schluss Rico Kahden den ersten Penalty in der 10. Minute, um 3 Punkte auf die Tafel zu bringen, allerdings schaffte man es immer wieder in Rucksituationen den Ball leichtfertig an die druckvoll agierenden Gäste zu verlieren. Diese konnten zwar immer wieder ansehnliche Läufe liefern, glänzten aber nicht gerade mit präzisem Passspiel. Einzig die energischen und effektiven Tacklings der 46er fielen ins Auge. Die RCU versuchte mit Härte zu kontern, Eberl schoss aber über das Ziel hinaus und wurde mit Gelb für 10 Minuten zum abkühlen geschickt. Kurz zuvor konnte mit Rangelow der RC-Flügel ins Malfeld der Hausherren eintauchen, allerdings wurde mit vollem Einsatz zweier Franken der Ball hochgehalten. Die Oberbayern glänzten ebenfalls mit energischer wie erfolgreicher Verteidigung und provozierten ein ums andere Mal die Nürnberger zu Fehlern und Fouls. Harris konnte zwar nur einen Penalty zum 3:3 in der 26. Minute verwandeln, dennoch gerieten die Nürnberger spürbar unter Druck. Dieser hielt die 46er meist in der Verteidigung und ließ kaum Luft für das so bewährte Angriffsrugby. In Minute 31. konnte man allerdings bis zur Linie der Gäste durchbrechen, wurde aber noch auf selbiger gestoppt.

Unterföhring machte ordentlich Dampf! Foto: Beazley

Wenig Punkte aber viel Action – Beide Mannschaften mit viel Engagement

Durchgang zwei startete ähnlich wie die ersten 40 Minuten, nämlich mit einem erfolgreichen Penalty für Kahden in der 41. Minute zum 6:3. Weiterhin verteidigten beide Mannschaften aufopferungsvoll und effektiv, die 46er gingen immer wieder, von „Man of the Match“ Benedikt Aumann geführt, zum Angriff über. Dennoch konnte die RCU Abwehr selten entscheidend überlaufen werden. Immer wieder störten Penaltys den Spielfluss und gelegentlich schlichen sich auch klare Fehlentscheidungen des Referees in das Spiel ein. So wurde Hakler Flo Mende in der 74. Minute 8 Meter vor dem Malfeld vom letzten Verteidiger mit einem regelwidrigen Hightackle zu Fall gebracht. Dieser wurde zwar geahndet, jedoch nicht mit einem Strafversuch sondern „nur“ mit einem Penalty. Diesen verwandelte Kahden gewohnt souverän zum 9:3. Nun entwickelte sich eine Endphase mit der so niemand gerechnet hatte. Gekämpft wurde nun mit offenem Visier, kein Team ließ in seinen Bemühungen um einen Versuch nach. Unterföhring gab sich in dieser Situation energischer und mit mehr Drang nach vorn, was dann auch in der 80. Minute mit einem Durchbruch und Versuch von Eberl nahe der Außenlinie zum 9:8 belohnt wurde. Aufgrund der durchwachsenen Kickquote des Unterföhringer Harris im bisherigen Spielverlauf rechneten sich wohl viele Nürnberger einen äußerst knappen Sieg aus, musste er doch die Pille vom äußersten Punkt des Spielfeldes zwischen die Stangen befördern. Doch hier wollte wohl eher die Chaos-Theorie, denn das Gesetz der Serie ihren Einfluss geltend machen und so zimmerte Eberl den Ball quasi mit dem Schlusspfiff zum 9:10 über die Querlatte. Selten erlebte man den Waldsportplatz stiller, selbst die Gäste benötigten eine kurze Schrecksekunde, um den ersten Sieg eines Gastes auf der nun gestürmten Festung Waldsportplatz zu realisieren.

Bene Aumann als „Man of the Match“ mit Ball immer voran! Foto: 201-photograpy.de

Ungewohnter Druck ließ nur Raum zum reagieren – Neuzugänge gut integriert

Relativ durchwachsen fiel dann auch die Matchanalyse des Trainers aus. „Wir haben uns viel zu viel in die Defensive drängen lassen und haben es nicht geschafft das Heft in die Hand zu nehmen. Da hätte das Gamemanagement deutlicher sein müssen“ meint Arne Zielinski nach dem Spiel. „Allerdings waren unsere Standardsituationen gut aufgesetzt und wir haben unsere beiden Neuzugänge Alexander Watt und Jonathan Stief gut integrieren können. Dass die Jungs nie ihre Motivation und Konzentration verloren haben, stimmt mich versöhnlich.“ Kapitän Olaf Will fand auch dann die Performance an sich nicht wirklich schlecht: „Ja, der Drang nach vorn, der effektive Pass hat deutlich gefehlt. Allerdings waren wir immer voll da und haben zu keinem Zeitpunkt die Flinte ins Korn geworfen. Unterföhring war am Ende einfach einen Tick cleverer und hat sich die Punkte verdient. Ich bin dennoch stolz auf unsere Leistung und glaube fest an den Titel.“ Der ist auch immer noch aus eigener Kraft zu holen, es braucht nur zwei Bonuspunktsiege in Augsburg und gegen München am letzten Spieltag zuhause. Dann würde zu ersten Mal seit 2010 der Meisterpokal wieder in Nürnberg gestemmt. Die 46er werden, darauf können die Fans zählen, nochmal alles daran setzen, dass die Saisonabschlussparty (mit OpenAirPub und RibWich Foodtruck) somit ihre Krönung zur Meisterfeier erhält.

Respekt für den Sieger! Foto: Deinzer

Pack mer´s! Wir sind 46er! Wir sind #heissaufRUGBY!

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